Warum vorsorgen?
Diese Frage taucht immer wieder auf. Warum sollte man Geld für einen Vorrat investieren? Wir leben in einer Gesellschaft, der es gut geht. Kriege sind derzeit in Deutschland nicht wahrscheinlich und Naturkatastrophen finden weit weg statt.
Ist dem so?
25. November 2005: Bei Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt setzt ab den Vormittagsstunden Dauerschneefall ein. Stromausfall im öffentlichen Stromnetz sowie Überlastung und zeitweiser Ausfall der Handynetze ab den Nachmittagsstunden. Es folgte der größte Stromausfall in Deutschland seit dem Ende des zweiten Weltkrieges, verursacht durch reihenweise ungeknickte Strommasten in der Gegend von Laer und Ochtrup. Der längste Stromausfall dauerte 5 Tage an. (http://www.schneechaos-muensterland.de).
4. November 2006. Um 22:09 Uhr kam es zu einem größeren Stromausfall in Europa. Teile von Deutschland, Frankreich, Belgien, Italien, Österreich, Spanien waren teilweise bis zu 120 Minuten ohne Strom, auch in Marokko waren die Auswirkungen spürbar.
21. November 2010: Durch ein Leck in der Hauptwasserleitung ist die gesamte Stadt Lübeck 7 Stunden ohne Wasserversorgung. 130.000 Haushalte sind betroffen.
9. Dezember 2010: Umgeknickte Bäume beschädigen Hochspannungsleitungen. Dadurch sind mehrere tausend Haushalte in Thüringen mehr als 12 Stunden ohne Stromversorgung.
In all diesen Fällen waren so gut wie alle Betroffenen auf die Unterstützung der Hilfsorganisationen angewiesen.
Gerade bei Winterwetter können Stromausfälle nicht ausgeschlossen werden.
Was kann pasieren?
Szenario: Großflächiger Stromausfall um 20:00 Uhr, eine erfundene Stadt im Winter.
Tag 1 20:00 Uhr
Der gesamte Strom im Haushalt funktioniert nicht mehr. Kein Licht, Herd, Kühlschrank, Gefriertruhe, Wasser- und Abwasserpumpen. Die Heizung fällt aus, Elektroheizungen aber auch Öl- und Gas-Zentralheizungen haben ohne elektrischen Strom keine Steuerung, keinen Zündfunken und keine Umwälzpumpe. Stromabhängige Telefonanlagen fallen aus (VoIP-Telefonie, ISDN-Anlagen). Schnurlose Festnetzstationen funktionieren nicht, wenn die Basisstation keinen Akku hat. Im analogen Telefonnetz treten Störungen auf. Ungesicherte Basistationen der Mobilfunkbetreiber fallen aus, dadurch kommt es zu Problemen in der Netzabdeckung. Fernseher, PC, DSL-Modem und Router funktionieren nicht mehr. Automatiktüren der Einkaufsläden lassen sich nicht mehr öffnen oder schließen, Kassen funktionieren nicht mehr. Viele Geldautomaten schalten sich ab. Durch ungesicherte Wasserpumpen kommt es in einigen Teilen der Stadt bereits in den ersten Minuten zu Problemen bei der Trinkwasserversorgung. In der häuslichen Pflege fallen Hilfsgeräte aus, dies betrifft stromabhängige Sauerstoff- und Absauggeräte sowie Dialysegeräte. Auch der Hausnotruf funktioniert nicht mehr. Tankstellen können kein Benzin aus den unterirdischen Tanks pumpen. S-Bahnen und Züge bleiben auf offener Strecke stehen. Aufzüge bleiben stehen, Parkhausschranken unten. Ampelanlagen fallen aus, ebenso die Straßenbeleuchtung.
Tag 1 22:00 Uhr (2 Stunden Stromausfall)
Die mit USV (Unabhängige StromVersorgung) gesicherten Mobilfunkstationen fallen aus. Das Handynetz bricht zunächst zusammen. Dann werden durch "hochfahren" von nicht betroffenen Basisstationen die Randbereiche des betroffenen Gebietes wieder abgedeckt.
Tag 1 24:00 Uhr (4 Stunden Stromausfall)
Bei den meisten handelsüblichen Laptops ist der Akku leer. Bei nicht vollständig geladenen Mobiltelefonen ebenfalls. Die Temperatur im nicht gedämmten Haus wird kritisch, dies betrifft auch die Alten- und Pflegeheime. Kleinere Netzknoten des Telefonnetzes fallen bereits jetzt aus. Auch die USV-abgesicherten Geldautomaten schalten sich aus. Die Temperatur im Kühlschrank und im (Stand-)Gefrierschrank erreicht eine kritische Marke, ab jetzt können die enthaltenen Lebensmittel verderben.
Tag 1 02:00 Uhr (6 Stunden Stromausfall)
Mittlere Netzknoten fallen aus. Das Telefonnetz wird weiter eingeschränkt. Auch bei den ersten Gefriertruhen wird eine kritische Temperatur erreicht, Lebensmittel fangen an aufzutauen. Es kommt zu ersten Nachschubproblemen bei der Treibstoffversorgung. Feuerwehren und Hilfsorganisationen sind in Ihrer Beweglichkeit eingeschränkt.
Tag 1 04:00 Uhr (8 Stunden Stromausfall)
Je nach Ladezustand des Akkus dürften die meisten Mobilfunktelefone, Schnurlostelefone (Festnetz) und notstromversorgte Basisstationen mittlerweile leer sein. ISDN-Telefone mit Notbetriebsmodus fallen nun aus.
Tag 1 06:00 Uhr (10 Stunden Stromausfall)
Die Qualitätssicherung in der Trinkwasserversorgung fällt aus. Das Wasser könnte nun mit Keimen verunreinigt sein.
Tag 2 20:00 Uhr (24 Stunden Stromausfall)
Die Trinkwasserbevorratung ist zuende, Wasserversorger halten Reserven für bis zu 24 Stunden vor. Ein Nachfüllen ist ohne Pumpen nicht möglich. Die Notstromversorgung der Krankenhäuser fällt aus.
Tag 3 20:00 Uhr (48 Stunden Stromausfall)
Große Netzknoten fallen aus. Das Telefonnetz ist zusammengebrochen.
Für den Notfall vorgesorgt
Das kann man tun:
Frühzeitig vorsorgen! Trinkwasser- und Lebensmittelvorräte lassen sich nicht mehr anlegen, wenn die öffentliche Wasserversorgung ausgefallen ist oder aufgrund eines flächendeckenden Stromausfalls die Lebensmittelläden schließen müssen.
1.) Anlegen eines Lebensmittel- und Medikamentenvorrates für 3-4 Tage
2.) Vorhaltung von Bargeld
3.) Anschaffung einer Kochmöglichkeit, die ohne Strom funktioniert (z.B. Campingkocher)
4.) Anschaffung eines batterie- oder handkurbelbetriebenen Radios und genügend Batterien.
Weitere Informationen auf den Seiten des BBK
http://www.bbk.bund.de/DE/Service/VorsorgefuerdenNotfall/vorsorgefuerdennotfall_node.html

